Die Rodenberger Linie

ausprägen sollte. Am 25.  August 1917 schied Julius Heuser durch Freitod aus dem Leben.


Julius Heuser wird ein korrekter Beamter, der Prototyp des Lehrers und ein sparsamer Familienvater gewesen sein. Besonders humorvoll wird er nicht gewesen sein; ob seiner Strenge – aber dabei wird er sich nicht von anderen Amtskollegen seiner Zeit unterschieden haben – wird er bei seinen Schülern nicht unbedingt beliebt gewesen sein, aber im Kreise seiner Kasselaner Kollegen war er hochgeachtet. Um die Haushaltskasse aufzubessern, hatten Julius und Anna Heuser in der großen Wohnung in der Parkstraße ständig Pensionäre, meist junge Menschen, die in Kassel die Schule besuchten – die Kasseler Schulen erfreuten sich im Kaiserreich eines hervorragenden Rufes. Einige Namen sind dem Herausgeber dieser Chronik noch in Erinnerung: der Erbprinz Franz von Thurn und Taxis, der mit den etwa jüngeren Heuser-Söhnen viel Spaß machte, nicht mit „Durchlaucht“ angeredet werden wollte und dem „nach Erreichung des militärpflichtigen Alters auf Allerhöchsten Befehl seiner Majestät, des Kaisers, die Prima- Reife zuerkannt wurde“, damit er Offizier werden konnte. Weitere Pensionäre waren die Brüder René und Antonio Patina, die Söhne des bolivianischen „Zinnkönigs“, Antonio Girádez und von 1913 bis 1916 Hildegardt Müller, die spätere Frau von Sohn Fritz; vieles wiederholt sich im Leben: Auch Julius Heuser hatte seine Frau Anna als Pensionstochter bei seiner Mutter für sich „entdeckt“.


Die Sparsamkeit von Julius Heuser gipfelte darin, dass er die für den häuslichen Gebrauch benötigte Tinte aus Galläpfeln selbst herstellte oder zumindest herzustellen versuchte. Seine Sparsamkeit ging aber andererseits nicht so weit, dass er auf sein Fässchen Rotwein im Keller verzichtete.

Wie es sich noch für die damalige Zeit geziemte, war Julius  Heuser natürlich auch Reserve-Offizier, zuletzt Hauptmann der Reserve, der es für seine selbstverständliche vaterländische Pflicht ansah, von 1914-1916 im Alter von Mitte 50 noch einmal als aufsichtsführender Offizier in der Kasseler Stadthalle Dienst zu tun. Seinen Offiziers-Säbel, der später im Hause seines Sohnes Gustav in Hannover hing, beschlagnahmten nach Kriegsende 1945 amerikanische Truppen (damals durften die Deutschen keine feststehenden Messer mit einer Klingenlänge von mehr als 20 cm besitzen) – heute wird der Säbel als Souvenir irgendwo in Texas oder Kalifornien die Wand eines Bungalows zieren.
Für das Pfingstfest 1901 hatte Julius  Heuser, der Anregung des Chronisten von 1900 folgend, den 1. Heuserschen Familientag vorbereitet und durchgeführt. Seine Aufzeichnungen darüber in einem Schulheft -Adressenliste, seine ihm bei der Vorbereitung entstandenen und zu repartierenden Auslagen, Aufstellung derjenigen, die zugesagt hatten (mit dem Zusatzvermerk „bez.“) und das von ihm zu diesem Anlaß verfaßte Festgedicht sind erhalten geblieben und befinden sich im Besitz von Hildegard Heuser, Kassel, 79 Familienmitglieder hatten sich angemeldet: außer 13 Heusers enthält die Namensliste u.a. Mitglieder der Familien  Axenfeld,  Eberhardt, Has,  Martin, Schuchard, Gonnermann, Klugkist, Siebrecht, Weber, Raydt und Spangenberg – ein Beweis dafür, wie lebendig damals noch das Bewusstsein der Familienzusammengehörigkeit war. wenn man bedenkt, dass teilweise mehrere Generationen bis zum gemeinschaftlichen Ahnen zwischen den Teilnehmern dieses Familientages lagen.