Es war einmal ein junges Paar
Die liebten sich gar wunderbar,
Sie sah ihn in der Pension,
Denn er war dort der Mutter Sohn.
Doch ach, sie war das reine Kind
Und er auch noch recht jung gesinnt,
Drum kam das Meiden, das Meiden,
Und drauf das Scheiden, das Scheiden.
Doch aus den Augen, aus dem Sinn,
Dies Sprichwort passt hier gar nicht hin,
Sein Herz verging vor Sehnen
Und sie weint nächtlich Thränen!
Nun schrieb er ihr der Briefe viel
Und ihr gefiel dies Kinderspiel!
Das dauerte wohl viele Wochen,
Bis sie sich endlich dann versprochen.
„Ein Bräutchen“ war das Mägd’lein nun
Und musste gleich gar ehrbar thun,
Musst‘ Tanz und Spiel nun meiden,
Gestört die Jugendfreuden.
Doch in den Ferien, welches Glück,
Dann kam der Bräutigam zurück
Hohl an ihr Herze, ja Herze,
Vergessen leid und Schmerze, Schmerze.
Das ging so an die drei, vier Jahr‘,
Da ward es doch den Eltern klar:
„Nun enden muss das Treiben,
So kann‘s nicht länger bleiben,
Jetzt setzen wir die Hochzeit fest,
Die Kinder zieh’n in‘s eigne Nest!“
Es wurden d‘rum auf heut‘, ja heute,
Geladen viele Leut‘, ja Leute.
Die bringen nun ein Hoch wohl dar
Dem lieben, jungen Hochzeitspaar,
Und hoffen, dass nach langer Zeit,
Ihr Ehejoch sie stets noch freut,
Dass sie auch fern von hier, im Glück,
An Bremen denken gern zurück.
Julius und Anna wollen wir jetzt bringen,
„Ein donnernd Hoch,“ lasst uns dreimal laut erklingen.
Zwei Tage vor der Hochzeit hatte Anna Struckmann ihre Freundinnen zur Feier des Kranzbindens eingeladen, ein ebenfalls in Vergessenheit geratener Brauch, dessen Pendant, der Junggesellenabschied, sich noch bis heute gehalten hat. Die Freundinnen widmeten Anna Struckmann aus diesem Anlass folgendes Gedicht:
Den 25. März 1894.