3. Prof. Dr. Julius Heuser, 1860-1917
Er studierte in Halle Philologie (war dort Angehöriger der Turnerschaft Saxo-Thuringia) und hielt sich nach bestandenem Staatsexamen zum Zwecke weiterer Ausbildung in Paris auf.1893 promovierte er an der Universität Marburg mit der Dissertation „Der Coupletreim in Shakespeare’s Dramen“ zum Dr. phil. Sein weiteres Leben verbrachte er in Kassel als Oberlehrer, später mit dem Titel „Professor“ an der dortigen Realschule. In einer „wissenschaftlichen Beilage zum Programm der Realschule zu Kassel (Hedligstraße)“ hatte er Ostern 1892 eine /Abhandlung mit dem Thema „Warum ist Schiller populärer als Goethe?“ veröffentlicht. Das kleine Druckwerk (8 Seiten in fast DIN A 4-Format) endet mit den Worten:
„Wer, erfaßt von der ruhigen abgeklärter Heiterkeit antik-klassischer Kunst schöne diese in deutschem Gewande genießen will, wer mit nach Innen gewandtem Blick an der geistigen Entwicklung erhabener Menschennaturen sein eigenes Innere abzuklären strebt zu jener olympischen Ruhe, die Goethe auszeichnete, der wird zu Goethes Dichtungen greifen; wer aber im Stürnen und Drängen der Zeit an lebensvollen, künstlerischen Gestaltungen ich erfreuen und seinen eigenen Mut stärken und erheben will, wer im Anschauen des Strebens einer idealen Persönlichkeit seine eigenen Ideale festzuhalten und zu bewahren sucht, der wird sich Kraft und Freudigkeit zu neuen Dingen aus Schillers Dichtungen holen können. Die ersteren werden stets in der Minderzahl sein.“
Julius Heuser war seit dem 27. März 1894 mit Anna Struckmann, geb. 3. Dezember 1871in Bremen, Tochter des Bremer Grorßkaufmanns Fritz Struckmann und dessen Ehefrau Emma, geb. Geißler, verheiratet.
Den 51 Hochzeitsgästen, die an der Vermählungsfeier in Bremen teilnahmen, wurde, der Sitte der Zeit entsprechend, ein Menu mit 9 Gängen gereicht; die Speisenfolge war:
Consomme à la jardiniere Römische Pasteten
—
Steinbutt mit holl. und Buttersauce Spargel mit Schinken
—
Plum-Pudding mit Chaudeausauce
Kartoffelbeignets
—
Französische Poularden
Salat und eingemachte Früchte
—
Makronen-Aufsatz Erdbeer- und Vanille-Eis
Butter und Käse Fruchtkorb
Es scheint seinerzeit ein Brauch geherrscht zu haben, nach dem die Hochzeitsgäste selbst verfasste, Tafellieder genannte, Gedichte nach einer bekannten Melodie vortrugen. Da diese Tafellieder gedruckt wurden, ist anzunehmen, dass die ganze Festcorona mitsingen musste. Eines dieser Tafellieder, das dem Hochzeitspaar Julius Heuser und Anna Struckmann gewidmet war, und das nach der Melodie „Es braust ein Ruf wie Donnerhall“, die jeder Deutsche kannte, gesungen wurde, lautete: