Das Leben ferner Ahnen ist mit den Geschicken des heutigen Kur-Hessenlandes eng verpflichtet: Einer gilt als der Aristoteles von Hessen, sein Sohn ist Arzt im Stile des Paracelsus, ein anderer -als Franziskaner-Mönch von der neuen Lehre Luthers ergriffen- wird Superintendent zu Kassel. Auch ein Gesandter Dänemarks am Hofe Ludwigs XI., ein Bürgermeister von Bremen in der Reformationsepoche, und ein zu vielen Missionen gebrauchter Gesandter Hessens zum ständigen Reichstag in Regensburg ist unter den Ahnen. Die Aufhebung des Edikts von Nantes bewirkt die Auswanderung eines französischen Grafen aus uraltem Geschlecht von Frankreich nach Hessen, seine Tochter ist die Ururgroßmutter Heuser‘scher Kinder. Der siebenjährige Krieg bringt auch so manche Heuser’sche Familienväter in Bedrängnis. In der Zeit unter Jerome Nepoleon hatten es die Ahnen nicht einfach. Die Chronik berichtet darüber Einzelheiten – wie gleicht manchmal eine geschichtliche Zeit der anderen!!
Die Jahre fließen dahin, es wird von schweren Zeiten berichtet, mit dem Wohlstand ist es vorbei, selbst rückständige Beamtengehälter werden nicht ausgezahlt.
Wie kann es anders sein: Es gibt aber wieder gute Zeiten:
So wird von meinem Urgroßvater berichtet -er lebte vor etwa 180 Jahren und wurde durch zahlreiche juristische Schriften bekannt-, er liebte die Geselligkeit, jeden Sonntagabend um 6 Uhr gab es zum Wein einen großen Braten mit Salat usw., hierzu konnten sich Freunde und Verwandte ungeladen einfinden.
Die Berufe unserer Ahnen sind mannigfach, viele Juristen, die sich darin gefielen, damals bekannte juristische Schriften zu verfassen, aber auch aktive Offiziere der Armee und Marine sind darunter. Selbst in der Bühnenkunst, Schauspiel und großer Oper versuchen sich einige Vorfahren. Andere widmen sich nach Studium und Examen im In- und Ausland dem Lehrberuf, ein Heuser und ein Vetter des Hauses werden Lehrer des Deutschen Kaisers und des Prinzen Heinrich, als diese auf der Kasseler Schule ihrem Studium oblagen.
1900 schließt unser Familienbuch. Die Geschicke der Familie, deren Berufe und deren Leben in den folgenden 68 Jahren sind bekannt und durch mündliche Erzählungen unserer Väter und Großväter noch in unserer Erinnerung.
Du, Kurtchen, bist als erster Heuser dieses Stammes an der schönen Mosel geboren, als Spross der Familie Heuser – Niessen, wie mir scheint, eine glückliche Kombination.
Ihr seht: Eine bunte Palette einer langen Ahnenreihe versuchte ich -stark zusammengerafft- aufzuzeichnen. Sie alle kannten Wohlstand und Not, erlebten ruhige und turbulente Zeiten, kannten Sonne und Regen, lebten von und mit Kontrasten und wurden mit dem Leben fertig.
Bedenkt bitte, und sollte einmal eine dunkle Wolke in Eurem Leben auftauchen, so seid voller Optimismus – auch diese Wolke wird verschwinden, um der Sonne Platz zu machen.
Zum Abschluss lassen Sie mich ein Wort von Goethe an dieser Stelle anbringen, es steht auch als Vorwort in unserem Familienbuch (ich darf es für Euch beide ein klein wenig ummünzen):
„Was Ihr ererbt von Euren Vätern, erwerbt es, um es zu besitzen“.
Alle Voraussetzungen scheinen mir hier im traditionsreichen Moseltal dafür gegeben zu sein.
Zu Dir Karin: Willkommen in der Familie Heuser.
zu Dir Kurtchen: Dank für die viele Freude, die Du uns Eltern gegeben hast, Tretet nun ein in Euer gemeinsames Leben, viele, viele gute Wünsche begleiten Euch, seid Euch dessen stets bewußt!“