Examen 1921 sein Studium ab. Er wanderte
nach Argentinien aus und arbeitete dort in Patagonien als Gaucho und im Eisenbahnbau.
Ende 1924 kehrte er in seine Heimatstadt Kassel zurück und fand dort eine
Anstellung als kaufmännischer Angestellter in einer pharmazeutischen Firma, die
damals gerade begann, ihre Erzeugnisse nach Südamerika zu exportieren und einen
Mitarbeiter hierfür mit Kenntnissen der spanischen Sprache benötigten.
Nach seiner Heirat siedelte Gustav
Heuser 1929 nach Hannover über
und trat in die Firma seines Schwiegervaters ein, zunächst als Prokurist,
1931 als
persönlich haftender Gesellschafter (die Fa. Gebr. Fiege wurde nach dem
Tode von Gustav Heuser von dessen Sohn Rolf
liquidiert).
Auch den 2. Weltkrieg erlebte Gustav Heuser vom ersten bis zum letzten Tage als Soldat, zuletzt als Korvettenkapitän und Kommandeur eines Marineflak-Bataillons in Gdingen/Polen (damals Gotenhafen). Der russischen Gefangenschaft entging er nur dadurch, weil er und sein Stab die Verteidigung von Kiel übernehmen sollte und deshalb von einem Schiff der Kriegsmarine von der Halbinsel Hela, auf der er und sein Bataillon eingeschlossen war, abgeholt worden war.
In seinem Beruf als Kaufmann hat Gustav Heuser sich nie wohl gefühlt – nicht nur, weil er kein Handelsmann war, sondern auch, weil die starke Persönlichkeit seines Schwiegervaters Gustav Fiege keine echte Teilhaberschaft im Sinne des Mitentscheidens zuließ. Neben der beruflichen und finanziellen Abhängigkeit von seinem Schwiegervater, der in der Geschäftswelt als „königlicher Kaufmann“ bezeichnet wurde und ein hohes Ansehen genoss, prägte auch der dominierende Einfluß seiner Frau Ilse, die das Familienleben einschließlich der Erziehung der Söhne bestimmte, Gustav Heuser‘s Leben: Er fühlte sich immer in Abseitsstellung und seine Reaktionen waren abwehrend und vielfach emotionell. Er hat einmal sein Leben als „verunglückt“ bezeichnet, während seine Frau Ilse ihn den „Liebling der Götter“ nannte – beides traf nicht zu.
Erst an der Schwelle des Alters, in seiner vierten Ehe kam Gustav Heuser wieder zur inneren Ruhe; die Umwelt war ihm weitestgehend gleichgültig geworden, er nahm am Leben um ihn herum kaum noch teil. Er starb am 11. Februar 1969 in Hannover an den Folgen eines wahrscheinlich dritten Herzinfarkts.
Kinder: Jürgen (Gustav Fritz Franz) Heuser wurde am 27. November 1928 in Kassel geboren. Nach dreijährigem Besuch einer privaten Vorschule in Hannover besuchte er das humanistische Gymnasium. Seine schulische Ausbildung wurde dann durch den Krieg unterbrochen. Von Januar 1944 bis Mai 1945 nahm er, zunächst als Luftwaffenhelfer in Hannover, dann als Flakkanonier an der Ostfront noch am 2. Weltkrieg teil. Nachdem er in den ersten Maitagen des Jahres 1945 in Mecklenburg in amerikanische Kriegsgefangenschaft fiel, floh er, als die Auslieferung an die Sowjet-Armee drohte, aus dem Gefangenenlager und kehrte nach 3-wöchigem Fußmarsch nach Hause zurück. Am schwierigsten war es für ihn, bei Nacht die besonders stark bewachte Elbe zu durchschwimmen; auf dem ganzen Weg bedrohte ihn die Gefahr, als ehemaliger Soldat der Deutschen Wehrmacht ohne Entlassungspapiere von den alliierten Truppen wieder eingefangen zu werden. In der damaligen Zeit eine an und für sich nicht ungewöhnliche Situation für einen 16jährigen.