Die Rodenberger Linie

Daß wir, die Erben, uns für alles Schöne
Den Sinn unwandelbar im Lauf der Zeit bewahrten,
Den Sinn für alles, was da schön und gut und wahr.
Dazu Gehört auch sicher wohl der Sinn
Für die Geschichte unseres Geschlechts,
Wie wir in diesem Buche sie verzeichnet finden.
Ihr alle Kennt’s, es rief uns heut hierher,
Um das Familienband, das uns umschlingt, –
Für manche lose nur bisher geschürzt –
Um fest zu knüpfen es für alle Zeiten.
Und wem verdanken wir dies Buch? Dem Manne,
Dem in Krankheit es ein Labsal
Den Ursprung unsres Stammes aufzuspüren,
In alte Zeiten still sich zu versenken,
und der in jahrelanger Arbeit sich bemüht,
Zur Stärkung des Familiensinns es uns zu schenken.
So steht die Chronika als Ganzes heut vor unseren Augen,
Wir können darin lesen, was wir sind und war wir taugen.
Doch er, der es geschaffen, der zuerst
Anregung gab zu dem „Familientag“,
Er weilet fern von uns; denn tück’sche Krankheit
Hat wiederrum ihn gefaßt und hält ihn fest,
Zu unsrem Leid. – Doch wir gedenken sein
In froher Dankbarkeit und rufen Heil! ihm zu und dreimal Heil! –
Er weilet fern, doch freudespendend
ach seines Herzens innerstem Bedürfnis
Hat er auch heute wieder Freude uns gespendet
Und hat die Gattin uns, die teure, hergesendet.
Am Buch hat Teil auch sie, denn treu gefördert
Hat sie des Werks Gelingen stets mit Kraft
Und manchen Stein zum Bau herbeigeschaft.
Drum Dank auch ihr! Und nun zum Schluß die Gläser
Gefüllt zum Rande in die Hand: so lang noch Wein
Uns wächst in unseres Vaterlandes Gauen,
So lang in unsrem Stamm noch blühen solche Frauen,
So lang der Unsren Einer noch sein Glas kann leeren,
Woll’n die Verfasser des Familienbuchs wir ehren!
Auf! lasset unsre Gläser uns erheben,
Die „Meerholzheuser“*)[1] sollen drei mal leben!“


[1] Der Verfasser der Chronik von 1900 war Kammerdirektor in Meerholz.