Die Rodenberger Linie

Der Familientag fand im Lesemuseum in Kassel statt; die Kosten für die Vorbereitung (inkl. Weinprobe für 2,20 Mark.) und Durchführung (ohne Essen und Trinken) betrugen 82,39 Mark (der Klavierspieler erhielt 7,50 Mark). Ein Bericht über den Familientag selbst ist uns nicht überliefert – der Chronist unterstellt, dass es ein gelungenes Fest war!


Julius Heuser’s Festgedicht wird dazu beigetragen haben:
„Ein Ruf erscholl, weit drang er in die lande
Und rief hierher zu lobesamem Thun
Ein weitverzweigtes fröhliches Geschlecht.­
Zu lobesamem Thun – denn „wohl, wohl dem
Der seiner Väter gern gedenkt und still sich freuend
Ans Ende dieser schönen Reihe sich
Geschlossen sieht“ – so denken alle, die wir hier versammelt;
Altmeister Goethes Spruch wird uns zum Wahrspruch.
Von fernher kamen viele Glieder unsres Stammes,
Um mitzufeiern den Familientag.
Der Dank, der ihnen ziemt. ist schon gezollt
Aus unseres Seniors*)[1] hochberedtem Munde,
Und alle stimmen fröhlich wir darein.
Was uns hier eint, ist der Familiensinn,
Ist das Gefühl, daß allen uns das gleiche Blut
Warm rinnend durch die Adern strömt, – daß uns
Dieselben Ahnen zu verehren ist vergönnt.
Zwar äußerlich hat manches sich geändert –
Denn neben blauen Augen, blonden Haaren**)[2]
Sieht man manch dunkles Haar, manch braunes Aug‘,
Gar mancher hat noch jetzt ein hitziges Gebaren,
Doch der Pflegmatiker giebt’s welche bei uns auch;
Nur eins stimmt heut noch sicher ausnahmslos:
Wir haben uns bewährt bis heut‘ als „heitre Zunft“
Viel Phantasie, mag sein, und sicherlich „genug Vernunft“.
Viel Freudiges hat von uns wohl ein jeder
In seinem Leben schon gekostet, sei er noch so jung;

„Und mancher auch schon schweres Leid, das still ihm ruht
In seines tiefsten Herzens stillverschloßnem Schrein;
Doch trotzdem stehn wir fest noch auf den Beinen
In unsrer Tafelrund, die Großen wie die Kleinen.
Ein Krösus soll bis jetzt aus unsrem Stamme
In keiner Chronika verzeichnet stehn,
Doch möglich, daß vielleicht in neurer Zeit
Der Spezies einer oder mehr bei uns umme gehn.
Wie dem auch sei – eins wiederum ist wahr,


[1] gemeint ist der damals 75-jährige Prof. Friedrich Heuser, Kassel

[2] Diese und die folgenden Zeilen spielen auf das Gedicht an, in dem Jahre zuvor der Heuser-Stamm charakterisiert worden ist (s.S. … ).